Koblenzer Straße, Bonn, Adenauerallee, Lese- und Erholungsgesellschaft

Diese Aufnahme aus der Zeit der französischen Bestzung stammt von der Koblenzer Straße mit dem Haus Nr. 35 und rechts daneben der Nr. 37. Heute ist dies die Adenauerllee. Beeindruckend, erhaben, ehrfürchtig – so könnte man das architektonisch bedeutende Gebäude der 1787 gegründeten "Lese- und Erholungsgesellschaft" (vielen bekannt unter der Kurzform "Lese") mit nur drei Worten bezeichnen, welches diese wenige Jahre vor der Jahrhundertwende als neues Domizil eingeweiht und bezogen hatte (kurze Zeit später bereits als ´"das schönste Clubhaus des Rheinlandes" bezeichnet), nachdem man vorher das Areal des aufgegebenen und bereits abgebrochenen, ehemaligen Hotel Belle Vue erworben hatte. Es präsentierte sich klar gegliedert und wurde aufgelockert durch einen dezenten, nur wenige Zentimeter hervortretenden Mittelrisalit mit Balkon des Haupteingangs, der oben einen geschwungenes Frontispiz mit reichhaltigem Stuck- bzw. Schmuckrelief besaß, in dessen Mitte sich das Bienenkorb-Signet der "Lese" befand. Daran mittig sich anschließend bzw. angeordnet war die ebenso schöne Dachkuppel. Ein ebenso dezenter Seitenrisalit mit Balkon und Tordurchlaß in den rückwärtigen Bereich befand sich an der linken Gebäudeseite. Das Dach wurde durch eine Balustrade als Attika gerahmt.
Es fügte sich hervorragend in die bereits bestehende Gründerzeitbebauung der Koblenzer Straße ein, zumal man sich in guter Nachbarschaft zu honorigen Persönlichkeiten wie Direktoren, Fabrikanten, Ärzten ect. befand, die entlang der Straße ihre Häuser und Villen mit vielfach großzügigen Grundstücken hatten. Das gesamte Haus mit Lese- und Billard-Zimmern, Kegelbahnen, Saal und Garten nebst Terrasse stand ausschließlich den Mitgliedern der "Lese" zur Verfügung. Lediglich die Weingroßhandlung mit Kellereien in Bonn und Neumagen an der Mosel war auch Nicht-Mitgliedern zugänglich. Selbst beim Telefonieren legte man geflissentlich Wert auf die Trennung, so war die "Lese" unter der Nummer 98 erreichbar, die Weinhandlung unter der 5 27. Neben einem Postscheckkonto bediente man sich für den sonstigen Geldverkehr dem angesehenen Schaafhausen’schen Bankverein als Kreditinstitut. Erreichbar war die "Lese" auch bequem durch die "Elektrische", deren Gleise vor dem Gebäude verliefen und sich die Haltestelle in unmittelbarer Nähe befand. Das Nachbarhaus rechts mit der Nr. 37 (schon um 1840 als Besitz der Familie Leydel erwähnt) gelangte um 1910 nach Verkauf durch die Witwe Maria Jansen geb. Dumont auch in das Eigentum der "Lese". Hier etablierte die Gesellschaft dann ihr "Weinhaus Lese". So konnte der Weinverkauf und der damit verbundene Besucher- bzw. Kundenverkehr strikt vom Clubhaus getrennt gehalten werden.
Das Gebäude der "Lese" wurde in der Zeit der französischen Besatzung beschlagnahmt und diente den Franzosen als Offiziers-Messe und –Casino. Über dem Haupteingang befand sich ein grosses Schild mit "Reunion des Officiers".
Während des Zweiten Weltkriegs wurde auch dieses
schmucke Gebäude getroffen und zerstört. Auch hier ist der Verlust dieser
ansprechenden Bausubstanz an der mehr als exponierten Stelle mehr als
bedauerlich.
Exponatkategorie
Urheber: Fotograf/Verlag unbekannt
Datierung: Um 1924
© ANKB Archiv Norbert Kreitel Bonn
Norbert Kreitel
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